Frankfurt Marathon 2010 - Irgendwie perfekt!

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt der Frankfurt Marathon als graue Maus in der Laufszene. Immer im Schatten der schier übermächtigen Veranstaltungen in Berlin und in Hamburg. Ständig schlechte Wetterbedingungen, keine gute Streckenstimmung und eine langweilige Laufstrecke wurde dem Marathon in Frankfurt nachgesagt. Doch das Image hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Hauptverantwortlich dafür - der finale Einlauf in die guude Stubb der alt ehrwürdigen Festhalle. Dazu trafen die Läufer in den letzten Jahren fast immer auf perfektes Laufwetter und auf eine immer wieder optimierte und schnellere Laufstrecke. Das wiederum führte zu stetig steigenden Teilnehmerzahlen und letztendlich auch zu dem Anspruch, einer der beliebtesten Stadtmarathons in Deutschland zu werden.

Schon vor vielen Wochen diskutierten Christine und ich welchen Herbstmarathon wir laufen wollen. Christine wollte lieber einen späteren Termin um mit ihren Lauffreundinnen zu laufen und ich einen früheren, weil ich einen Versuch starten wollte meine Bestzeit anzugehen. Der gefundene Kompromiß ist vielsagend. Wir laufen Karlsruhe und Ende Oktober Luzern. Beim Lauftreff hörte ich schon, daß Frank auch zum Karlsruhe Marathon gehen möchte und er bot sich an mich zu ziehen. Damit waren die Voraussetzung gegeben meine Bestzeit ernsthaft zu knacken. Mein etwas zurückhaltendes Ziel war die 3:45 und das optimistische 3:40 zu unterbieten. Frank war schon mehr auf Kurs 3:35.

Dieses Jahr verbrachten wir unseren Urlaub an der vorpommerschen Ostseeküste - und weil in acht Wochen der Frankfurt-Marathon als Saisonhöhepunkt anstand, kam es mir gerade recht, das am 04. 09. auf der Insel Usedom der jährliche Marathon zusammen mit einem Halbmarathon stattfand. So konnte ich im Urlaub einen passenden Trainingswettkampf einlegen.

Der Halbmarathon beginnt in Wolgast an der Ostsee im Sportstadion und geht durch die Altstadt über den Peenestrom auf die Insel Usedom als Ypsilon-Kurs durch zwei kleine Dörfer und wieder zurück über die Peene ins Wolgaster Stadion. Zeitgleich wird der Marathon gestartet – aber als Start-Ziellauf von Swinemünde hinter der polnischen Grenze als herrlicher Landschaftslauf durch die traditionsreichen Seebäder Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf bis nach Wolgast.

Und zu guter Letzt: Laufen

Die Idee eine db Ausdauer Staffel beim Challenge Walchsee anzumelden, wurde beim traditionellen db Ausdauer Brunch, der beim MTV Kronberg Anfang des Jahres stattfand, geboren. Innerhalb kürzester Zeit war die Staffel formiert: Anke wollte schwimmen, Daniela radfahren (sie wurde in Abwesenheit bereits einkalkuliert) und ich laufen.

Netterweise hat sich Eric, der bereits als Pate für die Veranstaltung fungierte, um die Formalitäten gekümmert. Nett war auch, dass wir fast alle (bis auf Eric) (5 Einzelstarter und 3 Staffelstarter) im gleichen Hotel untergebracht waren, so dass aus der Veranstaltung nicht nur ein sportliches Teamevent wurde, sondern auch ein Gesellschaftliches.

Stefan und ich reisten bereits am Freitag an und trafen im Hotel schon auf Joachim, der sich auch schon im Hotel und vor Ort auskannte. Das Wetter war schlecht. Trotzdem wollte Stefan mal die Radrunde mit dem Fahrrad abfahren, Jörg (der Fremdsportler) schloss sich ihm an. Joachim und ich begaben uns währenddessen auf die Challenge Messe.

Der "Kärnten Ironman Austria" -so sein offizieller Name- findet dieses Jahr an meinem 69. Geburtstag statt. Wenn das kein gutes Omen ist...

Jeder IM Wettkampf lässt sich eigentlich leicht und schnell beschreiben und ist mehr oder weniger bei allen gleich: Einige Monate hartes Training mit weitgehender Unterordnung des Privatlebens unter die Trainingsanforderungen,
  • Frühes Aufstehen am Raceday,
  • Schwimmen mit 'Hauen und Stechen' beim Start, und einigen Irren, die immer quer zur eigentlichen Richtung schwimmen und dich dabei unbedingt treten müssen,
  • Relativ harmonisches Radfahren mit gelegentlichen Kurzgesprächen mit anderen Mitstreitern; nach ca. 100 km tun die Steigungen richtig weh,
  • Laufen fällt am Anfang schwer, und man ist trotzdem zu schnell. Spätestens nach dem Halbmarathon möchte man sich hinsetzen und ein kühles Bier trinken - und manche machen das auch.
So ist es natürlich auch mir ergangen. Ich möchte aber lieber über meine Motivation und Einstellung zu dieser Strapaze berichten.

Der Marathon du Vignoble d'Alsace war für mich vor einigen Wochen noch völlig unbekannt. Ich wollte wie im letzten Jahr am 13.Juni den Donautal Marathon laufen. Christine hatte an diesem Wochenende aber ihren Fun Bike Marathon (siehe ihren Bericht) und mein Freund Klaus (einigen kennenihn aus Hamburg) war zum Segeln unterwegs. Also kurz entschlossen studierte ich den Veranstaltungskalender und entdeckte nur eine Woche später den Marathon im Elsaß. Mein Französisch ist eher mäßig und zunächst war mir nicht klar was ich da vor mir habe. Dann las ich zwei Laufberichte und war total überzeugt. Ich rief Klaus an und fragte ihn, ob er auch Lust hätte diesen Marathon zu laufen. Nachdem unsere Frauen die Chance für den Halben auch attraktiv fanden, waren wir blitzschnell angemeldet und ein komplettes Gourmetwochenende im Elsaß geplant.

In den letzten drei Jahren konnte ich immer sehr positiv über die sportliche Leistung beim 89,3 km langen Comrades Marathon in Südafrika berichten. Alles lief so ab, wie ich mir es vorgestellt hatte. Da schreibt sich ein Erlebnisbericht natürlich leicht von der Hand. Auch jetzt beim vierten Anlauf in 2010 war ich bestrebt, meine gesteigerten Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Die Bill Rowan Medaille sollte am Ende wieder herausspringen, wofür eine Finisherzeit von Sub 9 Stunden erforderlich ist. Gleich vorweg - geschafft habe ich dieses Vorhaben diesmal nicht. Warum ich den Lauf trotzdem nicht als Misserfolg werte, könnt Ihr dem nachfolgenden Bericht entnehmen.